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Land vs Stadt: Warum die Stadt links wählt

Niko & Felix · 21. August 2026 · 22 Min.

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Worum es geht.

Niko und Felix nehmen die Unterschiede zwischen Stadt und Land zum Ausgangspunkt einer politischen Debatte. Sie sprechen über Lebensalltag, Eigentum, Vereine und die Frage, warum beide Räume unterschiedlich wählen.

Redaktionell zusammengefasst aus der Folgenbeschreibung.

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Liebe Freundinnen und Freunde,

diesmal gibt es einen Schlagabtausch: Felix vom Land gegen mich aus der Stadt. Es beginnt bei Klimaanlagen, Gärten und der Frage, ob die Straßenbahn wirklich "zum Vergessen" ist, und landet schnell bei der eigentlich spannenden Frage: Warum wählt die Stadt links und das Land schwarz?

Wir reden über Gemeinden, in denen jeder einzelne Einwohner die ÖVP gewählt hat, über die Eigentumsquote als politischen Faktor, über Vereinsstrukturen vom Bauernbund bis zu den Roten Falken und darüber, warum die SPÖ Wien seit über hundert Jahren nicht aus der Stadt zu bekommen ist und die ÖVP nicht aus den Gemeinden.

Am Ende bleibt die Frage: Ist das System oder einfach ein Wettbewerb der besten Ideen?

Und eine Frage an euch: Welche Gemeinde hat das beste Zeltfest, den besten Feuerwehrball oder das beste Blasmusik-Event? Schreibt uns!

Hör rein.

Euer Niko

Kapitel

00:00 "Ich bin vom Land. Du bist aus der Stadt" 01:58 "Bei vierzig Grad halte ich es in der Stadt nicht aus" 03:32 "Alles, was überirdisch fahrt, ist zum Vergessen" 05:02 "Dann kommen sie als Grüne wieder zu uns" 07:57 "Fünfundfünfzig Prozent Eigentumsquote" 10:19 "Am Land kennt jeder jeden" 12:50 "In der Stadt gibt es keinen relevanten Bauernbund" 15:13 "Die SPÖ Wien hat das über hundert Jahre aufgebaut" 20:08 "Ein Wettbewerb der besten Ideen"

Kapitel.

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Das Gespräch zum Lesen.

Automatisches, noch nicht redaktionell korrigiertes Transkript. Namen und einzelne Wörter können fehlerhaft sein. Die Zeitlinks führen ungefähr an die jeweilige Stelle.

0:00

Ich bin vom Land, du bist aus der Stadt. Ja, das ist richtig. Das wollte ich jetzt eigentlich gerade sagen, aber okay, du hast mir das vorweggenommen. Das ist eine klassische Angewohnheit, die man normalerweise einem Stadtmenschen vorwirft, dass er irgendwelche Menschen vom Land bevormundet. Also ich oute mich, ich bin aus der Stadt, ich bin glücklich in der Stadt, ich bin in einer Stadt aufgewachsen, zumindest sieht man sich in Salzburg so. Wiener wird das Niederstaat bezeichnen, aber ich glaube, keiner, der am Land lebt, würde Salzburg Stadt als Landleben bezeichnen. Felix, wo kommst du her und wie siehst du das?

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Das ist tatsächlich komplizierter. Also im Gegensatz zu dir bin ich in einer Stadt auf die Welt gekommen. Ich bin in Wien geboren, bin im Wiener Speckgürtel aufgewachsen, in Niederösterreich, in Machfeld, in Groß-Enzersdorf. Wenn man jetzt sozusagen zwei, drei Ortschaften weitergeht in Machfeld, dann wird man großensig darauf nahe legen, es ist ja eh schon Wien und es ist ja eigentlich auch schon die Stadt, weil man redet ja auch schon anders dort. Wenn man dann allerdings nach Wien in die Schule geht und in Wien studiert, so wie ich das gemacht habe, dann ist man natürlich ganz schnell in der Rolle des Landkindes.

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Und ich muss sagen, das ist auch die Rolle, die ich für mich adoptiert habe, die mir die sympathischere Rolle ist. Und für dieses Rollenspiel, für diesen Schlagabtausch, den wir uns heute vorgenommen haben, bist du aus der Stadt und ich bin vom Land. Genau. Sitzung Brand. Was du gerade gesagt hast, das Land könnte ich niemals glaubwürdig darstellen, weil ich verbinde das Land mit Entspannung, aber auch mit Langeweile. Das ist für mich das Land. Und ich kenne genug Menschen, die vom Land kommen, die sagen, ja, es ist so schön dort, Wahrheit, Natur.

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Ja, es ist eh lieb. Ist meine Hand dort dazu. Ich schaue aus dem Fenster. Bin sehr froh, dass wir in einem klimatisierten Zimmer sitzen. Denn bei 40 Grad Außentemperatur halte ich es in der Stadt nicht aus. Ja, da hast du ja auch eine Klimaanlage. Ja, gut. Ich würde jetzt sagen, am Land brauche ich keine Klimaanlage, denn da habe ich meinen Garten. Der macht einen natürlichen Wärmeschutz. Da kann ich in den Wald gehen. Der macht auch einen natürlichen Wärmeschutz. Und habe außerdem alles, was ich brauche, fußläufig.

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Ich kann aber auch jederzeit in mein Auto steigen, habe nie ein Parkplatzproblem. Und weitere entfernte Besorgungen erledigen. Und ich habe damit ganz viel Freiheit zu tun, was ich kann. Außerdem schaut mir, wenn ich es nicht will, keiner in meinen Garten. Ja, einen Garten habe ich auch. Ich habe auch einen Pool in Wien. Okay, da bin ich wahrscheinlich eine der wenigen Ausnahmen, die das hat. Somit kann schon sein, dass das unangenehm ist. Können sich ja einfach einen Garten und einen Pool anschaffen, die Leute. Genauso wie Herr Eigenherrn.

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Das ist sicher lustig, einen Gemeindebau, den Pool anzuschaffen. Naja, wenn du in Altair lebst, hast du einen Pool am Dach. Also da ist ja, und auch ein anderes Thema, was du erwähnt hast. Ich bin recht froh, dass ich in Wien kein Auto brauche. Dass ich alles mit den Öffis machen kann. Und für das Bidl, was ich brauche, hat der Uber mir eine. Oder eins von den Carsharing-Modellen. Ich bin kein Fan davon, mir einen Parkplatz suchen zu müssen. Das ist meine absolute Halbtraumbeschäftigung. Jetzt sage ich da was zu dem Thema öffentliche Verkehrsmittel. Ja, in Wien gibt es die Wiener Linien. Ja, die Wiener Linien sind recht pünktlich und sind recht zuverlässig.

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Und ich mache jetzt unbeliebt bei allen Straßenbahn-Romantikern. Die Dinger sind aus meiner Sicht absolut zum Schmeißen und tun nichts außer den Verkehr aufhalten. Die könnt ihr euch wirklich sparen. Die U-Bahn ist in Ordnung. Aber alles, was überirdisch fährt, ist zum Vergessen. Und wir haben auch öffentliche Verkehrsmittel am Land. Die Postbusse. Die fahren zwar nicht im 5-Minuten-Takt, sondern eher im Stunden- bis 2-Stunden-Takt. Aber dafür sind die, wenn du einsteigst, sicher klimatisiert. Der Fahrer grüßt dich. Es gibt dieses Thema mit dem Schwarzfahren nicht, weil du zeigst deinen Fahrschein vor beim Einsteigen.

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Und das ist ein ganz anderes Lebensgefühl, öffentlich am Land unterwegs zu sein. Also ich bin jetzt grundsätzlich jemand, der nicht schwarz fährt. Aber ich finde es immer ein Highlight, wenn ich Leuten dabei zuschaue, wie sie mit den Kontrolleuren in den Öffis über dieses Schwarzfahren diskutieren. Das gehört zur Wiener Kultur dazu, bin ich der Meinung. Und daher bin ich auch ein großer Fan von denen. Und zur Klimatisierung, die Anzahl der klimatisierten Straßenbahnen ist systematisch am steigen. Also das sehe ich nicht, das Argument. Das ist mittlerweile, ich habe es vor kurzem wieder gelesen, wie weit über,

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also seit 2000 sind keine angeschafft worden ohne Klimaanlage. Es sind sogar die Mehrzahlen mittlerweile klimatisiert, ja. Wir könnten jetzt sicher noch lange über solche Feinheiten reden. Und ich bin sicher, der eine oder andere wird das genießen, weil er meine Meinung dazu teilen wird. Grundsätzlich unterhalten wir uns aber meistens über politische Themen. Da gab es ein Zitat eines ehemaligen ÖVP-Clubobmanns, der wohl bei einer Wahlkampfveranstaltung in Oberösterreich gesagt haben dürfte, da schick man die Kinder zum Studieren nach Wien und dann kommen sie als Grüne wieder zu uns.

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Das kann doch nicht sein. Wie viel Relevanz, glaubst du, hat dieses Thema, dass die Stadt linker ist als das Land oder wie viel Wahrheitsgehalt steckt dahinter? Ich würde es ein bisschen differenzieren, weil ich glaube, es kommt sehr stark darauf an, wo in der Stadt du lebst und in welchem Milieu du bist. Und wenn du studierst, ein junger Mensch bist, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass du auf der Uni mit linken Meinungen in Kontakt kommst zum ersten Mal in deinem Leben,

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wenn du von einer kleinen Gemeinde aus dem Land kommst, sehr hoch. Dass du dann Meinungen als junger Mensch aufschnappen wirst, die möglicherweise sich nicht nur mit deinem familiären oder Dorfumfeld decken werden, ist auch sehr hoch. Wenn du aber nicht Akademiker bist im Gemeindebau, dann ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich höher, dass du mittlerweile die FPÖ wählst. Also diese Aussage muss man sich sehr, sehr genau anschauen. Das heißt, wenn man intelligent ist, wählt man links und wenn man nicht intelligent oder vom Land ist, dann wählt man die FPÖ. Also ich finde es eine ziemliche Frechheit zu behaupten, dass wenn man nicht studiert hat,

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man nicht intelligent ist. Also das ist das, ich bin Akademiker, du bist Akademiker. Nein, das kann ich so absolut nicht unterschreiben. Aber was ich unterschreiben würde, wenn du jung bist, in die Stadt kommst, dich nach neuen Sachen umschaust, ja, dann wirst du ein liberaleres, linkeres, wenn du es so bezeichnen willst, weltoffeneres Bild haben, als du es in, sage ich mal, beim Dorf fest hast, wo du das Feuerwehrfest hast, wo du deine Baufereine hast und sonst eh nicht viel mehr Möglichkeiten, dich sozial zu betätigen. Also eine Feuerwehr ist doch schon fast ein kollektivistisches Ding, das ist ja links.

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Ich war nie bei einer Feuerwehr. Ich war beim Roten Kreuz in der Stadt tätig. Mit einer Feuerwehr hatte ich hin und wieder, wenn ich nach Hallwang oder zu irgendeiner der umliegenden Gemeinden, auf die Dorffesseln gefahren bin, bis sie Berührung, sonst nie, weil in der Stadt hat man einen Beruf, Feuerwehr. Bei uns am Feuerwehrkirchtag sind wir auch schon gewesen, daran erinnere ich mich oder erinnere ich mich teilweise. Ich mich nicht mehr, aber es liegt an anderen Gründen. Ja, aber eine Sache, die sich wohl tatsächlich auch auf die politische Gesinnung der Bewohner auswirkt, von Stadt und vom Land, wir haben es uns vorher angeschaut,

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die Unterschiede im Eigentum. Österreich ist ja mit seinen 55% Eigentumsquote sehr weit hinten im europäischen Vergleich. Ja, bei 70% im Schnitt. Genau. Was wir gesehen haben, wenn man jetzt Wien rausrechnen könnte aus der Statistik, wäre wohl Österreich wieder im europäischen Schnitt. Also dann wären wir wohl auch bei diesen 65 bis 70%. Das ist richtig, weil Wien halt eine sehr hohe Gemeindebau- beziehungsweise geförderte Wohnbauquote hat, also wesentlich, wesentlich höher,

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als das sowieso am Land mal der Fall ist. Das ist halt die Eigenart, sage ich mal, von Wien. Es ist aber auch irgendwo natürlich, dass eine Stadt das hat, weil der Wohnraum weniger vorhanden ist, wenn viel mehr Leute aufeinanderbicken, ist die Wahrscheinlichkeit, dass alle die Wohneinheiten gehören, dass das macht auch strukturell keinen Sinn. Genau. Und Menschen, die im Eigentum leben, haben vermutlich tendenziell andere Bedürfnisse auch, als Menschen, die zur Mitte wohnen. Menschen mit Eigentum zahlen auch mehr Steuern, wie wir wissen.

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Und da ist natürlich ein gewisser Unterschied. Aber dass die Stadt tatsächlich linker wäre als das Land, um dieses Phänomen zu erklären, also abseits dieses einen Grundes, das könnte doch im Facettenreicher sein, oder? Naja, in der Dorfgemeinde, also mir fällt da immer dieses Beispiel ein von... Da kommt der Priester und da gehst du noch am Sonntag in die Kirche und da ist noch jeder Römerisch katholisch. Und da wird dann auch in der Kirche gesagt, du willst nie die ÖVP.

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Mir fällt da immer dieses eine Beispiel, um darauf zurückzukommen ein, wenn wir die Nationalratswahl haben, von diesen ein, zwei Gemeinden, wo einer nicht die ÖVP gewählt hat, weil alle anderen in der Gemeinde die ÖVP gewählt haben. Und es gibt immer noch ein paar Gemeinden, wo jeder einzelne Einwohner dieser Gemeinde bei der Nationalratswahl die ÖVP gewählt hat. Shoutout nach Adakla. Ich finde das immer herrlich. Wenn ich mir diese Karten anschaue. Aber dort weiß man dann auch ganz genau, wer das ist. Dort ist halt das soziale Gefüge ein anderes, als in der Stadt, wo du die Anonymität

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mit all ihren Vor- und Nachteilen hast. Weil wenn du dich in so einer... Man kann Folgendes sagen. Am Land, da kennt jeder jeden. Und man kann sagen, am Land, da kennt jeder jeden. Ja. Und das ist, finde ich, ein ganz interessanter Punkt. Das habe ich auch gemerkt, wie ich nach Wien dann zum Studieren gegangen bin und dann auch tatsächlich in Wien gewohnt habe. Obwohl du auf viel engerem Raum viel näher beinahmt wohnst, in so einem Mehrparteienhaus,

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hast du viel weniger Kontakt mit den Leuten um dich herum. Du hast deine sozialen Gruppen, du hast deine Leute vom Studium, du hast deine Leute aus einem Verein, du hast deine Freunde aus der Schule, mit denen du feiern gehst, aber du interagierst eigentlich nicht mit deiner nächsten Nachbarschaft. während draußen am Land, eben es kennt jeder jeden, du interagierst miteinander, du bist auch näher beinahmt. Da würde ich aber widersprechen tatsächlich. Und zwar, das ist ein Phänomen, was vor allem Mieter betrifft,

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was du gerade beschreibst, weil zum Beispiel ich habe eine ähnliche Situation. Aber bei meinen Vermietern weiß ich ganz genau, okay, sie sind noch länger da, sie wissen ganz genau, wer der Nachbar ist, links, rechts gegenüber der Straße, wissen ganz genau, was deren Situation ist, deren Streitereien und, und, und, und. Wenn dir das Haus gehörst, du in dieses Haus investieren musst und du mit den Nachbarn auch reden musst bei x möglichen Themen, es ist wahrscheinlich nicht so wie am Land, aber das ist dann schon anders. Muss ich ganz klar betonen, das ist wirklich ein Mieter-Phänomen, was du da gerade beschreibst. Ja, aber das ist ein Gedanke,

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den ich tatsächlich häufig, habe, inwiefern macht das Thema Anonymität gegenüber Gemeinschaftsgefühl einen politischen Einfluss? Also ist das einfach ein Unterschied, der durch die kleinere Gemeinschaft geschaffen ist, gegenüber der Anonymität der Großstadt? Oder hat das auch einen politischen Hintergrund? Oder ist das politisch auswertbar oder verwendbar? Es ist schon, also es hat eine klare Auswirkung. Abgesehen, dass in der Stadt halt keinen

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relevanten Bauernbund gibt, wie es am Land halt ist, können ÖVP-Strukturen, die halt stark über Vereine geprägt sind, in einer Stadt wie Wien, in der Form nicht zur Geltung kommen. die sind in der Stadt, wenn sie vorhanden sind, irrelevant, weil du ein hundertfaches Angebot hast von Alternativen. Wenn du um dich herum, wenn du dein Handy auch nur aufmachst, hundert verschiedene Sachen hast, die du machen kannst in deiner Freizeit, tausende verschiedene Sachen hast, die du machen kannst in der Freizeit, dann ist das ein Unterschied. Also wenn du in deinem Verein bist

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und dann vielleicht noch das Jugendzentrum hast in deiner Stadt und dann vielleicht die eine Bar, wenn sie noch offen hat. Du kannst dir auf jeden Fall, wenn du in der Stadt bist, dein soziales Umfeld genauer aussuchen, weil du eben diese Entscheidung treffen kannst, zu welchem Verein gehe ich dazu, wo in diesem Übermaß an Angebot verbringe ich jetzt meine Freizeit, während du, ja, bei mir könnte ich eben gehen zur Feuerwehr, ich könnte gehen zur Rettung, ich könnte gehen zum, wir haben keine Landjugend.

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Dein Fitnesscenter kannst du gehen. Ein Fitnesscenter, ja. Da ist man tatsächlich auch schon wieder durchgemischt, nachdem wir so nah am 22. Bezirk dran sind. Also da haben wir tatsächlich viele Leute, die aus Wien kommen und nicht von dort. Ja, aber du hast weniger Auswahl und daher ist dann wahrscheinlich das soziale Umfeld, das du dir schaffst, mehr durch den Zufall geprägt, als durch eine Entscheidungsfreiheit. Und logischerweise, wenn du weniger Einfluss darauf hast, dann kannst du, dann kannst du dich natürlich, dann sind die Meinungen natürlich heterogener. Worauf ich jetzt hinaus will,

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es gibt ja zu Recht wahrscheinlich irgendwo das Vorurteil, dass du in Wien irgendwo nur hinkommst, wenn du das richtige Parteibuch dabei hast. Und weil du jetzt gemeint hast, die ÖVP-Vereinsstrukturen, also der, der das wirklich durchgespielt hat, das ist wohl die Sozialdemokratie, wo du von den roten Falken über die Motorradfahrersektion ja jede Interessensgruppe irgendwie abgebildet hast in einem parteinahen Umfeld. Also ich würde das präzisieren, die Sozialdemokratie Wien, das ist nämlich auch ein Unterschied zur Sozialdemokratie woanders in Österreich,

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hat das höchst erfolgreich über 100 Jahre aufgebaut. Muss man anerkennend sagen. Selbst jetzt, ich habe mir die Umfragen gerade angeschaut, steht die SPÖ Wien bei 36 Prozent. Bei der letzten Wahl hat es in 39,5. Die Neos haben ein Begeltprozente verloren, heißt folglich steht in der Krone, die Koalition hat keine Mehrheit mehr, aber das sind immer noch teilweise lächerliche Verschiebungen, wenn man sich andere Bundesländer oder Abwälte anschaut. Also das, was gebaut wurde, ganz egal, ob man das jetzt gut oder schlecht findet,

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dass es so gebaut wurde mit Gemeindebauten der Wienholding und allem drumherum, dem gesamten Umfeld der Stadt Wien, das erheblich ist und in eine Tiefe geht, von der die meisten Menschen nie wirklich was mitbekommen. Von teilweise den Plakaten oder den Plakatständern, wo man sich das, wenn man sich das ganz genau mal anschaut, bei gewissen Teilen, dieser Plakatständer, das ein Unternehmen ist, das im eigenen irgendeinigen der SPÖ ist oder klassischerweise das Donauinselfest. All das ist in einem Umfeld gebaut worden,

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das stark im weitesten Sinne, mittlerweile auch weniger, muss man dazu sagen, im Umfeld der SPÖ hängt. Es ist mittlerweile auch weniger so, würde ich behaupten, dass du in der Stadt Wien nicht nur mit einem Parteibuch aufsteigen kannst in ganz höherer Ränge. Teilweise ist es schon noch so, also will ich auch nicht abstreiten, dass das natürlich ein klarer Vorteil ist. Der Faktor ist aber über die letzten Jahrzehnte wesentlich weniger geworden, als er früher noch der Fall war. Aber ja, du hast absolut recht. Also Österreichs Städte

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sind folgetechnisch linker, weil sie gebrainwashed sind? Ich glaube, die Sozialdemokratie, und das ist eine linke Bewegung, hat es einfach wesentlich erfolgreicher verstanden, wie man im urbanen Raum erfolgreich ist. Und die ÖVP, auch von der Historie geprägt her, hat es einfach wesentlich erfolgreicher geschafft, indem man sich am Land so tief reinsetzt, dass man aus den Gemeinden praktisch nicht herauszubekommen ist. Weil auf der Gemeindeebene, wenn man es sich anschaut,

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ist die ÖVP mit Abstand die stärkste Partei. Die SPÖ ist Platz zwei, das will ich gar nicht behaupten, aber die ÖVP ist da wesentlich, wesentlich erfolgreicher und wesentlich geschickter dabei, sich da zu integrieren. Das ist, ja, man kann das durchaus sagen, auch wenn man sich andere Städte anschaut, und die sind die perfekten Beispiele aus meiner Sicht dafür, dass es halt nicht so sein muss, weil in Wien, Wien ist aus meiner Sicht ein bisschen ein Spezialfall. Es ist ja sowohl Land als auch Stadt, plus hat es Strukturen,

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die halt sehr die SPÖ bevorteilen. Aber wenn man sich anschaut, Graz, wo die KPÖ aktuell die stärkste Kraft ist, davor aber die ÖVP, die stärkste Kraft, lange, lange Zeit war und sich das einfach sehr, sehr schnell drehen kann. Also was ich behaupten würde, wenn du dich jetzt nicht wie in Wien so festgesetzt hast, wie SPÖ das höchst erfolgreich macht, dann hast du eine wesentlich, wesentlich geringere Zahl an fixen, sicheren Stammwählern. Die sind viel, viel weniger vorhanden. Das heißt, dein Wählerpotenzial

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kann in solchen Städten auch entsprechend höher sein, wenn du es geschickt anstellst. Und auch international, wenn man sich Hamburg anschaut, es gab einen CDU-Bürgermeister, der dort hergegangen ist und die Stadt gedreht hat. Wir hatten ihn vor, mittlerweile auch ein Jahrzehnt einmal zu Gast bei einem Vortrag. Und mir hat damals sehr imponiert, was er gesagt hat, dass das, was man festgeschrieben sieht, als was eine konservative, christlich-soziale Partei ist, nicht festgeschrieben ist. Das hat anderen nicht so gefallen. Anderen haben gesagt, ja, okay,

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er sagt effektiv, gibt es alles auf, was euch ausmacht. Wo ich sage, ja, okay, sehe ich anders, weil ich, nur wenn man halt gewisse Ansätze aufgibt, die halt traditionell am Land funktionieren, die identitär zur ÖVP gehören, heißt das nicht, dass das der richtige Ansatz ist, mit dem du jemals in der Stadt erfolgreich haben wirst. Und du wirst auch mit diesem Ansatz niemals in der Stadt erfolgreich haben. Das ist der wesentliche Punkt. Bevor ich jetzt langsam zum Ende komme mit meinem Wortschritt. Also ist Politik zwischen Stadt und Land am Ende des Tages

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auch wieder ein Wettbewerb der besten Ideen. Und es gibt einfach Parteien, die tendenziell für den urbanen Raum und tendenziell für den ländlichen Raum besser mit ihren Grundeinstellungen, ihren Vorstellungen angepasst sind und daher hier auch das größere Wählerpotenzial bewegen können. Also das System ist nicht geriggt. Ich halte jetzt eine Frage an unsere Zuhörer abschließend zum Thema Stadt versus Land. Nämlich, welche Gemeinde hat den besten Feuerwehrkirtag, das beste Zeltfest oder das beste Blasmusik-Event?

20:47

Ausgewählte Fundstelle · ca. 20:47

Und warum ist es der Feuerwehrkirtag in Groß Enzersdorf? Ja, ich bin gespannt auf die Antworten. Ciao. Tschüss. Wenn dir diese Folge gefallen hat, folge den Podcast, bewerte ihn und teile ihn mit Freunden. Ich freue mich immer über Feedback. Bis zum nächsten Mal. Ciao.

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