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Kurt Weinberger: Von Beton kann man nicht abbeißen

So sind wir · Mit Gästen · 18. Juli 2026 · 29 Min.

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Worum es geht.

Kurt Weinberger spricht mit Niko über Bodenverbrauch, Landwirtschaft und die wirtschaftlichen Folgen der Verbauung. Sie diskutieren Fehlanreize der Kommunalsteuer und die Frage, wie sich Österreichs begrenzte Ackerflächen schützen lassen.

Redaktionell zusammengefasst aus der Folgenbeschreibung.

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Liebe Hörerinnen und Hörer,

nur 16 Prozent der Fläche Österreichs sind Ackerland. In Ungarn sind es 44, in Deutschland 32. Wir sind das Schlusslicht, und trotzdem verbauen wir Boden schneller als fast jedes andere Land Europas. Über genau diese Spannung habe ich mit Kurt Weinberger gesprochen, dem Vorstandsvorsitzenden der Österreichischen Hagelversicherung.

Kurt kommt selbst von einem Bauernhof und erklärt so unmittelbar wie kaum jemand, warum der Verkauf von Grund für viele Landwirte die vernünftigste Entscheidung ist, und warum genau das zum Problem für uns alle wird. Wir reden über den wahren Wert einer Umwidmung, über eine Kommunalsteuer, die aus seiner Sicht völlig falsch steuert, über die frische Österreich-Deklaration von Linz und die Frage, warum Absichtserklärungen ohne verbindliche Grenze wenig bewegen.

Für Kurt ist Bodenschutz keine Nostalgie, sondern eine Frage der nationalen Sicherheit und der Versorgung. Oder in seinen Worten: Von Beton kann man nicht abbeißen.

Hört rein, es lohnt sich.

Euer Niko

Kapitel:

00:00:00 Es geht um die Zukunft Österreichs

00:03:20 Ein Korn hinein, dann der Stress

00:07:27 Ein sehr verletzbares Land

00:09:35 Der Fuß am Pedal ist drauf

00:14:38 Die Kommunalsteuer steuert falsch

00:17:48 Von Beton kann man nicht abbeißen

00:22:19 Meine kaufmännische Sorgfaltspflicht

00:26:47 Der Boden ist ein Wunderwerk

Kapitel.

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  1. 0:00Es geht um die Zukunft Österreichs
  2. 3:20Ein Korn hinein, dann der Stress
  3. 7:27Ein sehr verletzbares Land
  4. 9:35Der Fuß am Pedal ist drauf
  5. 14:38Die Kommunalsteuer steuert falsch
  6. 17:48Von Beton kann man nicht abbeißen
  7. 22:19Meine kaufmännische Sorgfaltspflicht
  8. 26:47Der Boden ist ein Wunderwerk

Das Gespräch zum Lesen.

Automatisches, noch nicht redaktionell korrigiertes Transkript. Namen und einzelne Wörter können fehlerhaft sein. Die Zeitlinks führen ungefähr an die jeweilige Stelle.

0:00

Keine Österreicherin und kein Österreicher kann vom Betonoberbessen. Willkommen bei So sind wir zwischen Bognergasse und Ballhausplatz. Hier spreche ich mit Menschen aus Politik und Wirtschaft, die hinter die Kulissen Österreichs blicken. Ungeschminkt und ungekürzt. Mein Name ist Niko Hutter. Bodenverbrauch in Österreich. Ich sitze hier mit Kurt Weinberger, dem Vorstandsvorsitzenden der Hagelversicherung. Österreich ist in der Situation, dass 16 Prozent seiner Fläche gesamt, Ackerfläche sind, auf denen Lebensmittel produziert werden.

0:43

Wenn wir uns unsere Nachbarn anschauen, also Deutschland, Italien und Ungarn, da sind da erhebliche Unterschiede. In Deutschland sind es knapp ein Drittel. In Ungarn sind es 44 Prozent. Jetzt ist Ackerfläche natürlich nicht die einzige Fläche, die in Österreich verbaut wird. Aber es ist natürlich bezeichnend in einem Land wie Österreich, wenn man nur 16 Prozent Ackerfläche hat, wenn der Bodenverbrauch hoch ist. Lieber Kurt, kannst du kurz einordnen, was ist der aktuelle Stand beim Bodenverbrauch in Österreich?

1:18

Ausgewählte Fundstelle · ca. 1:18

Die ÖRÖG hat ja vor kurzem im Dezember eine Einschätzung abgegeben, dass sich die Situation ein bisschen entspannt hat. Wie siehst du das? Vielen Dank zunächst für die Möglichkeit zu diesem Gespräch über das doch sehr existenzielle Thema Bodenverbrauch. Du hast Einleitern ja ganz richtig schon aufgezeigt, das Verhältnis Ackerfläche in Österreich zur Gesamtfläche und dabei auch den Vergleich zu Nachbarländern gebracht. Also wir haben in Österreich nur 16 Prozent Ackerflächen im Verhältnis zum gesamten Bundesgebiet.

2:00

Und das zeigt auch schon, wie wenig Flächenanteil der Acker am gesamten Bundesgebiet ist. Und umso wichtig ist es, dass es uns bewusst gemacht wird, dass das eine sehr, sehr notwendige Ressource ist. Denn beim Bodenverbrauch geht es ja um eine einzige Sache. Es geht in Wahrheit um die Zukunft Österreichs. Warum? Der Boden ist die Grundlage für die Lebensmittelproduktion. Der Boden ist aber auch für uns ein ganz, ganz wichtiger Wasserspeicher.

2:40

Gerade in diesen Tagen sehen wir das auch, dass die Grundwasserreserven weg sind. Der Boden gleichzeitig aber auch speichert CO2. Und der Boden hat insgesamt Multifunktionen, neben den jetzt von mir genannten. Und dann darf ich einen Punkt noch hinzufügen. Der Boden gibt uns auch letztendlich die Schönheit in diesem Lande. Wenn wir den Boden so weiter durch Verbauung zerstören, so steht eben vieles zur Disposition.

3:17

Und dann haben wir zusammengefasst die Lebensmittelversorgungssicherheit in diesem Lande. Und Schäden nehmen zu, wie Beschwemmungsschäden und auch Hitzen. Hotspots merkt man in den Städten, aber auch die Schönheit dieses Landes. Und daher braucht dieses Thema mehr Aufmerksamkeit in der Gesellschaft. Du bist familiär ja selber aus einem landwirtschaftlichen Betrieb, aus einer Bauernfamilie kommend. Kannst du für jemanden, der sich noch nie damit beschäftigt hat oder der vielleicht noch nie auf einem Bauernhof gelebt, gearbeitet hat, kurz einhören? Warum verkauft ein Bauer seinen Grund?

3:54

Was ist da der Mehrwert für ihn oder was ist der Mehrwert für ihn vielleicht dazu, dass er das als Anbaufläche verwendet? Ja, dass ich von einem Bauernhof komme und das möchte ich vielleicht noch etwas konkretisieren, ist auch der Grund dafür, warum ich beim Thema Boden auch eine besondere Sensibilität habe. Wir waren zu Hause fünf Kinder und die Familie hat, wenn ich es so formulieren darf, vom Ertrag der Böden gelebt. Und wenn man auf einem Bauernhof aufwächst, bekommt man mit, welche Leistungen der Boden im Stand ist zu erbringen.

4:35

Man legt ein Korn in den Boden hinein und dann beginnt schon der Stress. Gibt es ausreichend Wasser? Keimt das Korn? Und das geht dann über Monate hinaus und hinweg und man ist in einer Stresssituation, gibt es am Ende des Tages einen Ertrag oder nicht. Also man ist wetterabhängig. Der Wetterstress, der ist ein ganz besonderer in der Landwirtschaft und daher weiß ich, welchen Wert der Boden hat. Und jetzt auch deine Frage, warum Böden auch von den Grundeigentümern verkauft werden. Außer Streit steht, dass einerseits Boden für die wirtschaftliche Entwicklung gebraucht wird.

5:19

Da ist man natürlich in einem permanenten Zielkonflikt, denn man gibt eine natürliche Ressource auf. Und dann bin ich nicht einer, der sagt, es darf nichts gebaut werden, sondern wo ich, wenn ich es so formulieren darf, der Mahner bin, dass ich sage, gehen wir mit der Ressource Boden doch einfach ordentlich um und sorgfältiger um. Denn es gibt Möglichkeiten, den Boden zu schonen. Ich sage Ihnen ein Beispiel. Wir haben in Österreich eine Unmeng an leerstehenden Immobilien. Eine Zahl dazu, 400 Billionen Quadratmeter in Österreich stehen leer.

5:54

Das entspricht in etwa der Fläche der Gemeinde Wien. Und um diese Dimension handelt es sich. Und daher müssen wir zunächst einmal schauen, wie können wir diese vielen leerstehenden Immobilien in wirtschaftliche Nutzung bringen, ehe wir wiederum neue Fläche durch Verbauung vielmehr zerstören. Und die Bauern sind hier natürlich auch gesellschaftlich unter Druck von den Bürgermeistern, von den Gemeinderäten, wenn eine Nachfrage nach Bauland ist. Das ist das eine. Das andere, warum die Situation auch in der Landwirtschaft so da ist, dass man oftmals auch geneigt ist, den Grund und Boden zu verkaufen, ist die Einkommenssituation.

6:35

Die Einkommenssituation ist eine dramatische in der Landwirtschaft, weil wir heute in der Landwirtschaft im freien Wettbewerb sind mit den großen Betrieben rund um Österreich, Osteuropa, Tschechien, Slowakei, Ungarn. Agrargüter zu produzieren bedeutet, man muss wettbewerbsfähig sein wie auf dem Weltmarkt. Und wir haben kleine Einheiten und das führt dazu, dass die Einkommenssituation sehr kritisch ist. Und dann natürlich die Kinder oftmals auch nicht mehr geneigt sind, die Betriebe zu übernehmen, die sagen, warum soll ich mir das antun bei diesen sozusagen angespannten Einkommenssituationen?

7:11

Aber auch, warum sollte man Stress antun bei 365 Tagen im Jahr? Gehe ich irgendwo einer Arbeit noch? Habe ich Urlaubsanspruch, sechs Wochen, wenn ich krank bin, gehe in den Krankenstand, ich habe zwölf, 13 Feiertage mit einer Entgeltfortzahlung. Das alles gibt es nicht, wenn du Landwirt bist, wenn du selbstständig bist. Und daher ist da eine Situation, dass die Jungen vielfach auch nicht mehr bereit sind, die Hilfe zu übernehmen. Und das ist die Konsequenz, dann sagen sie, okay, dann verkaufen wir es. Verstehe. Wenn Sie jetzt in die Situation kommen, zu verkaufen von, und du hast gehört beschrieben, die Einkommenssituation ist vergleichsweise schlecht in Österreich, wenn man sich jetzt das anschaut im Verländern zu Osteuropa.

7:52

Die Grafik zeigt sich ja auch recht gut, wenn 44 Prozent in Ungarn allein schon Ackerfläche sind, dass dort völlig andere Größenordnungen sind. Und ich stelle dir das vor, wie es in Rumänien, Ukrainien oder noch weiter drüben ist dann. Kannst du vielleicht das Größenordnungen einladen, wenn man das jetzt verkauft und das im Bauland umgewidmet wird im Vergleich zur Ackerfläche, was hat man dann für ein Einkommen, wenn man das verkauft, sozusagen im Vergleich zum laufenden Ertrag aus dem Boden? Das ist natürlich ein x-facher Wert. Nur die Folge ist, dass dann diese Lebensgrundlage, Boden für die Ernährungssicherheit nicht mehr zur Verfügung steht.

8:31

Und daher muss man es als Ganzes sehen. Es geht hier um nicht Einzelinteressen, sondern der Grund und Boden dient der gesamten Bevölkerung als Grundlage für die Lebensmittelversorgung und für andere Effekte. Und daher ist natürlich nachvollziehbar ein Einzelinteresse eines Landwirtes, aber im Gesamt muss das bewertet werden. Da sage ich, bei der Umwidmungsfrage geht es nicht um den einzelnen Quadratmeterwert, sondern es geht darum, dass wir möglichst viel Grund und Boden brauchen, um letztendlich Lebensmittelversorgungssicherheit zu garantieren.

9:14

Das ist nämlich eine Frage der Sicherheit. Ein Land mit immer weniger Böden ist ein sehr verletzbares Land. Sind die Ecke und Wiesn einmal fort, brauchen wir viel Import. Und da sind wir dann sehr verletzbar. Und das dürfen wir nicht zulassen, denn es geht hier um eine nationale Sicherheitsfrage. Und das zeigt schon dieses Beispiel, beim Boden haben wir viele, viele Aufgaben oder der Boden erfüllt sehr, sehr viele Aufgaben, nämlich eben auch das letzte Beispiel der nationalen Versorgungssicherheit. Wenn man jetzt den Blick zum Beispiel ins Ausland richtet und auf die jüngsten Krisen, wird das ja auch, glaube ich, sehr gut vor Augen geführt.

9:56

Die Ukraine als großer Lebensmittelehr-Exporteur durch den Krieg unter Druck war dann teilweise ja nicht in der Lage, in verschiedenste internationale Länder zu exportieren. Und die afrikanischen Staaten waren ja dann die ersten, die unter den steigenden Preisen gelitten haben, soweit ich das jetzt in Erinnerung habe. Das verdeutlicht, glaube ich, auch sehr gut, was du jetzt gerade überschrieben hast mit dem Sicherheitsgedanken. Weil natürlich, wenn wir es nicht selber produzieren, dann müssen wir es am internationalen Markt zu den Preisen des internationalen Marktes einkaufen. Jetzt versteht man natürlich auch jeden Bauer, der aus wirtschaftlichem Eigeninteresse sagt, es lohnt sich nicht.

10:36

Deshalb ist ja wichtig, dass die Politik die Rahmenbedingungen schafft, dass sie einerseits sich da erhalten können und andererseits es vielleicht nicht den Druck, den du gerade beschrieben hast, von Gemeinden, von der Umgebung so Gesamtzug für sie gibt. Und es einfacher ist, das zu erhalten. Jetzt gab es vor kurzem ja diese zweite Raumordnungskonferenz in einem, glaube ich, deinem Heimatbundesland, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, wo es eine Österreich-Deklaration gab. Zum ersten Mal war der Landwirtschaftsminister Totschnigg dabei. Da gibt es, soweit ich das jetzt aber gesehen habe, keine fixen Zahlen und keine verbindlichen Ziele, was ja auch kritisiert wurde.

11:19

Wie würdest du die einordnen, diese Österreich-Deklaration und die Einschätzung? Ja, in zweierlei Richtungen. Einerseits ist es durchaus einmal erfreulich, dass die Politik sich versammelt, verschiedene Stakeholde und sagen, okay, wir zeigen der Öffentlichkeit, wir sind interessiert, dass Grund und Boden erhalten bleiben. Das ist das eine. Das andere ist natürlich die Frage der Wirksamkeit. Eine Erklärung alleine führt noch nicht dazu, dass damit, sage ich, auch Boden weniger verbaut wird.

11:56

Das ist eine Absichtserklärung. Der Boden ist eine begrenzte Ressource und daher braucht diese begrenzte Ressource auch eine Grenze im Verbauen und daher auch dieses 2,5 Hektar Ziel, das man sich ja schon vorgenommen hat seit 2002 in den verschiedenen Regierungskonstellationen, weil man eben der Überzeugung war, immer bei den Regierungsverhandlungen diese begrenzte Ressource gehört, aus volkswirtschaftlichen Gründen, aus Sicherheitsgründen, aus naturwissenschaftlichen Gründen entsprechend geschützt.

12:33

Und solange es nicht diese Grenze gibt mit entsprechenden Sanktionen, wird sich wenig ändern. Und darüber bin ich besorgt. Denn wir sind, was die Zerstörung unserer Bödenanlagen ohne dies in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern Europas, Europameister im negativen Sinne. Es gibt kein zweites Land, das in diesem Tempo die Böden zerstört. Ein paar Zahlen dazu. Wir haben beispielsweise national in Österreich die höchste Anzahl an Supermärkten. 60 Supermärkte pro 100.000 Einwohner, währenddessen man beispielsweise in Deutschland sorgsamer mit der Lebensgrundlage Boden umgeht, hat man 40 Supermärkte pro 100.000 Einwohner, das heißt um 50 Prozent weniger oder wir haben 50 Prozent mehr.

13:24

Oder aber auch, wir haben eines der dichtesten Straßennetze pro Kopf mit 15 Meter Straßenlänge, währenddessen man beispielsweise in der Schweiz, in Deutschland, in der Slowakei, in Tschechien in etwa 8 Meter Straßenlänge pro Kopf hat. Das zeigt schon an diesen Kennzahlen, dass wir einfach hier Handlungsbedarf haben. Und nur mit Absichtserklärungen wird man nichts erreichen. Das wäre dasselbe, wie wenn ich sage, ich möchte, dass die Menschen mit weniger Alkohol am Steuer unterwegs sind, fährt es mit weniger Promil und es gibt keine Grenze und es gibt keine Sanktion, wird sich nichts ändern. Und so ist es auch beim Bodenverbrauch.

14:05

Jetzt sagt man immer wieder und will schön reden, es ist eh weniger geworden im Vergleich zu den letzten zehn Jahren. Ja, es ist weniger geworden, aber wir sind nach wie vor mit eigentlich mit hoher Geschwindigkeit unterwegs. Der Fuß am Petal ist drauf. Wir fahren nach wie vor mit Höchstgeschwindigkeit in dieser Frage gegen die Wand. Denn das Ziel war 2,5 Hektar pro Tag. Heute liegen wir bei 7,7 Hektar. Das heißt, wir haben mehr als das Dreifache. Und das kann man nicht schönreden. Wir gefährden damit sehr viel.

14:43

Ich habe das schon eingangs gesagt. Damit steht sehr viel zur Disposition und das dürfen wir nicht zulassen. Ja, der dreifache Wert von dem, was als verbindliches Ziel vereinbart wurde. Jetzt hast du ganz gut beschrieben, weil das wäre tatsächlich meine nächste Frage gewesen, ob man in Deutschland oder in unseren Nachbarn, die hier auf dieser schönen Liste hier stehen, einen besseren oder, ich sage mal, verantwortungsvolleren Umgang mit der Fläche hat. Kannst du kurz vergleichen, ihr seid ja, glaube ich, wenn ich das richtig im Kopf habe, in Ungarn aktiv.

15:19

Wie ist dort, weil von der Größe her ist er ähnlich, sage ich mal so, im Vergleich von der Fläche, sage ich mal so, ähnlicher als Österreichs als Deutschland. Wie ist dort der Umgang oder wie ist da der Umgang auch in Deutschland im Vergleich zu Österreich und warum ist es in Österreich so besonders kritisch, dass der Verbrauch so hoch ist beziehungsweise in der Vergangenheit der Umgang damit so vergleichsweise, wenn man das sich so anschaut, verantwortungsvoll aus sich entwickelt hat? Ja, bei uns ist die Zuständigkeit für Flächenwidmungsplanabänderungen auf der ersten Verwaltungsebene, also auf der Gemeindeebene.

15:58

Und dort hast du natürlich auch einen viel, viel stärkeren Druck, etwas in Bauland umzuwidmen. Der Bürgermeister, der Gemeinderat ist einerseits abhängig natürlich von den Wählerinnen und Wählern. Er muss am Ende des Tages dann auch wieder gewählt werden. Dann haben wir in Österreich ein Phänomen, das es anderswo in dieser Form nicht gibt, eine sogenannte Kommunalsteuer. Das ist eine Steuer, die meines Erachtens auf Gemeindeebene völlig falsch steuert. Denn diese Steuer ist eine wesentliche Steuer, die eingenommen wird, um die Ausgaben einer Gemeinde zu tätigen zu können.

16:41

Und das ist ein Widerspruch. Wenn jetzt ein Bauwerber an die Gemeinde handritt, ist natürlich hier oben dann quasi die Karotte. Hier kommt dann ein Betrieb her mit Arbeitsplätzen. Dort werden dann Kommunalstaaten eingenommen. Aber wenn der Betrieb dann noch ein paar Jahre zusperrt, ist die Kommunalsteuer auch wieder nicht da. Diese Fälle kennen wir ja vielfach. Das heißt, die Steuer steuert völlig falsch. Und darum gibt es viele Experten, die sagen, diese Steuer gehört auf Bundesebene eingenommen und dann im Wege des Finanzausbeiges verteilt.

17:18

So wie die Umsatzsteuer, Einkommenssteuer, Kapitalertragsteuer etc. Und gerade bei der Kommunalsteuerwürde, die auf Bundesebene eingehoben werden, könnte man sagen, jene Gemeinde, die ressourcenschonender agiert, kriegt mehr zurück von diesem Steueraufkommen. Zusammengefasst, wenn ich jetzt vergleiche, andere Länder in der Europäischen Union, Deutschland, Ungarn, so ist die Ebene der Zuständigkeit auf einer höheren Ebene und haben auch nicht sozusagen dieses Anreizsystem, Böden relativ locker umzuwidmen durch diesen Kommunalsteuer, die auf der Gemeindeebene völlig falsch steuert.

18:01

Heißt, weil in Österreich ist es so, dass wir ein föderalistisches System haben. Und so wie du das jetzt gerade beschreibst, unser föderalistisches System fördert es, dass die Gemeinden, also die kleinste Verwaltungsebene sozusagen, hergeht und die Böden verkauft an Betriebe, die dann Kommunalsteuer an die Gemeinden zahlen in weiterer Folge und sich so ihr Einkommen oder ihr Haushaltsbudget verbessern können. Was eh eigentlich Wahnsinn ist, wenn man sich das mal so durchdenkt. Und gleichzeitig stehen die Bauern vor dieser kritischen Situation.

18:43

Dein Vorschlag, wenn ich das jetzt richtig zusammenfasse, wäre einerseits, dass man die Kommunalsteuer verschiebt sozusagen und über den Finanzausgleich zwischen Bund und Ländern dann sozusagen verantwortungsbewusst zurückgibt. Und wenn ich das richtig verstanden habe, ist die zweite Empfehlung, dass man die Flächenwidmung auch von den Gemeinden entfernt. Habe ich das auch gerade richtig verstanden? Das ist nicht mein Vorschlag. Das ist der Vorschlag von vielen, vielen Experten, die sagen, die Kommunalsteuerkart von der Gemeinde wirkt in Richtung Bund, wie ich es beschrieben habe. Genauso sagen viele Experten und auch Bürgermeister, die selbst zu mir sagen, ich hätte nichts dagegen, wenn sozusagen hier eine andere Ebene hier zuständig wäre.

19:28

Aber es gibt natürlich auch Haltungen in den Gemeinden, die sagen, warum sollte ich dieses Instrument aufgeben. Politik heißt letztendlich auch Macht auszüben. Und da werden wir beide das nicht erleben, dass es eine Änderung gibt in der Bundesverfassung. Das hätte die Notwendigkeit einer Änderung der Bundesverfassung mit einer Zweidrittelmehrheit im Parlament. Das werden wir beide nicht erleben. Aber dass es schiefläuft in der Frage der Flächenwidmungsplanabänderung und der Verbauung, glaube ich, jeder, der mit offenen Augen und wachem Geist durch dieses Land fährt, sieht, dass da etwas schiefläuft.

20:09

Wir haben mehrstehende Ortskernen. Draußen haben wir eine Amerikanisierung, ein Supermarkt nach dem anderen. Das Bild ist kein Schönes. Das ist aber nicht nur eine subjektive Wahrnehmung, sondern das ist auch durch Umfragen nachgewiesen, hinterlegt. Es gibt eine Umfrage, die zeigt, dass, wenn ich es so auf halbwienerisch, oberösterreichisch formulieren darf, vier von fünf Österreicherinnen und Österreicher sind auch gefressen, in welcher Form dieses Land in den letzten Jahren verschandelt worden ist. Es ist ein irreparabler Schaden. Österreich zeichnet sich aus oder zeichnete sich aus in der Kernmarke, dass wir ein schönes Land haben.

20:50

Daher kommen ja die Touristen her. Ja, genauso zeichnet die Kernmarke Österreichs aus, dass wir heimische regionale Lebensmittel haben, die immer weniger werden. Das haben wir schon heute auch besprochen, dass die Lebensmittelversorgungssicherheit hier massiv gefährdet ist. Ich muss eine Zahl in dem Zusammenhang jetzt auch nennen. Beim Getreide haben wir aktuell einen Selbstversorgungsgrad in etwa von 85 Prozent. Die Agentur für Gesundheit und Sicherheit hat in einer wissenschaftlichen Arbeit prognostiziert, bedingt durch den Klimawandel, die Erderwärmung und den Bodenverbrauch, wird es irgendwo 2050 beim Getreide nur mehr liegen bei 50 Prozent.

21:33

Das heißt, wir haben dann dort nur mehr einen Selbstversorgungsgrad von 50 Prozent. Das heißt, wir wären dort sehr verletzbar, dann haben wir keine regionalen Lebensmittel mehr. Also die Kernmarke Österreichs, die beschädigen wir aktuell sehr. Und ich sage auch, wir müssen bewusst machen bei diesem Thema, keiner, keine Österreicherin und kein Österreicher kann vom Beton runterpassen. Und nochmals, ich möchte nicht, dass meine Kinder dann einmal in der Bundeshymne singen müssen, Österreich ein Land ohne Äckern zukunftslos, sondern sie mögen auch weiterhin in der Bundeshymne singen können, Österreich ein Land der Äcker zukunftsreich.

22:17

Aber wenn wir so weitertun wie bislang, dann glaube ich, muss man sich schon langsam Gedanken machen, dass es die Notwendigkeit gibt, die bespitzt formulierte Bundeshymne umzuschreiben. Und das dürfen wir nicht zulassen. Ja, Bundeshymne umschreiben. Du kommst gleich recht gut zum nächsten Punkt, den ich ansprechen möchte. Du bist ja ein wortstarker Verfechter dieses Themas. Du bist ja in einer Rolle gleichzeitig Vorstandsvorsitzender, wie wir schon gesagt haben, von der Hagelversicherung, einem Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit.

22:52

Heißt, deine Eigentümer sind die Bauern, die Mitglieder sind die Bauern. Wie schaffst du diese Gratwanderung? Weil natürlich, wie wir gerade beschrieben haben, die Bauern profitieren ja auch bis zu einem gewissen Grad vom Verkauf, auch wenn sie natürlich auf der anderen Seite unter Druck stehen. Diese Gratwanderung zwischen einerseits ökonomischen Interessen einer Versicherung und auf der anderen Seite die Versorgungssicherheit erhalten und das Ganze langfristig erhalten.

23:28

Wie gehst du damit um? Das eine ist, als Chef eines Naturkatastrophenversicherungsunternehmens habe ich die kaufmännische Sorgfaltspflicht auf diese Schieflage hinzuweisen. Warum? Als österreichische Hagelversicherung versichern wir ja mehr als der Name Hagel im Firmennamen hier zum Ausdruck bringt. Wir versichern beispielsweise auch das Risiko Überschwemmung. Und wenn die Flächen zubetoniert sind, dann nehmen auch die Überschwemmungsschäden zu. Daher ist es relativ logisch, dass man als Chef eines Naturkatastrophenversicherungsunternehmens dieses Interesse haben muss, auf diese Fehlentwicklung hinzuweisen.

24:11

Das ist das eine. Das andere, man hat als Unternehmen auch eine gesellschaftspolitische Verantwortung. Und auch unter diesem Aspekt ist unser Engagement zu verstehen, dass wir uns für den Erhalt der Lebensgrundlage im Boden einsetzen. Und die Versicherungsnehmerinnen und Versicherungsnehmer von uns verstehen das auch. Natürlich gibt es dann diese Einzelfälle, die sagen, warum agiert der Kurt Weinberg in dieser Frage so? Ich möchte eigentlich schon langsam meinen Grund verkaufen. Aber das sind Einzelinteressen.

24:46

Also groß und rot und breite Unterstützung bei unseren Kundinnen und Kunden, breite Unterstützung in unseren Organen. Und das ist eben begründet ganz klar mit meiner Kaufmanagement-Sorgfaltpflicht, die ich aus dem Aktiengesetz heraus auch zu erfüllen habe. Das hast du super beschrieben. Du hast gerade beschrieben, wie deine Kunden, eure Mitglieder damit umgehen. Wie ist es bei relevanten politischen Vertretern in Österreich, wenn ihr zum Beispiel eine Kampagne fahrt zum Thema Bodenversiegelung?

25:22

Weil das sind ja viele verschiedenste Interessen, die da zusammenkommen. Wie reagieren die darauf, wenn die Hagelversicherung da ein Thema besetzt, was, wenn man sich das anschaut, wer da sonst noch agiert? WWF etc. Eher Klimaschutz, Klimaorganisationen, die jetzt eher in einem anderen politischen Sprektrum zu verorten sind, sage ich jetzt mal, als der klassische Bauer. Das ist eine sehr wichtige Frage, weil in der Tat wir als Unternehmen, aber speziell ich als Person, dann natürlich immer wieder auch angesprochen werde oder auch kritisiert werde, warum ich hier diese Aktivitäten setze.

26:06

Vielfach würde das dann damit verbunden, der Weinberger ist gegen das Verbauen und gegen Wirtschaftswachstum. Nein, es ist falsch. Richtig ist, dass ich nicht gegen etwas bin, sondern ich bin für den Erhalt der Lebensgrundlage Boden. Und natürlich ist das zu erwarten, wenn wir heute für etwas eintreten, dass es dann, ich darf es konkret machen, die Bauwirtschaft hier nicht begeistert ist, die sagen, wir kriegen Gegenwind aus diesen Kampagnen. Und ich will eigentlich hier möglichst billig und möglichst rasch Äcker in Bauland umwidmen.

26:45

Verstehe ich deren Standpunkt. Man muss auch uns verstehen. Uns geht es um den Erhalt von etwas Übergeordnetem, nämlich unserer Lebensgrundlagen. Und mit dem kann man leben. Ja, ich glaube, das ist ein guter Schlusswort. Mit dem kann man leben. Wenn man das jetzt nochmal einmal zusammenfasst, unseren Hörern du etwas mitgeben möchtest, was würdest du als die wesentliche Empfehlung geben, jemandem, der sich für dieses Thema engagieren will, der da was machen will? Ich denke, wir müssen gemeinsam bewusst machen, dass es beim Thema Boden nicht um eine einzige Sache geht.

27:26

Nochmals, beim Boden geht es um sehr, sehr viel. Der Boden ist ein Wunderwerk. Der Boden nährt uns täglich. Jeder, der isst, und das tut man gewöhnlich dreimal am Tag, ist damit auch Teil der Landwirtschaft und Teil unserer Böden. Der Boden aber auch hat eine wichtige Funktion, was Überschwemmungsschienen anlangt, Hitze, Hotspots anlangt. Aber der Boden ist auch für ein Tourismusland, wie wir hier in Österreich eben ein solches Land haben, ganz, ganz zentral. Und wenn wir diese Grundlagen aufgeben, dann steht sehr, sehr viel zur Disposition.

28:06

Die Lebensmittelversorgungssicherheit, die Schönheit dieses Landes, aber auch die Sicherheit dieses Landes. Und da bin ich dankbar auch für diesen Podcast und diese Wichtigkeit dieses Themas hier auch entsprechend zu adressieren und dieses Thema mit anderen teilen zu dürfen. Wenn dir diese Folge gefallen hat, folge den Podcast, bewerte ihn und teile ihn mit Freunden. Ich freue mich immer über Feedback. Bis zum nächsten Mal. Ciao.

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